„Wenn ich mir was wünschen dürfte…“ Mit dem Lied von Marlene Dietrich als Motto blickt die Literarische Lese Freinsheim 2026 auf die „Goldenen Zwanziger“ des vergangenen Jahrhunderts zurück. Dabei knüpfen wir an Hoffnungen und Träume an, an die vielen Neuanfänge und kulturellen Impulse, die verloren gingen oder in Vergessenheit gerieten. Es hätte auch ganz anders sein können… Mit diesem Konjunktiv suchen wir in unseren Veranstaltungen Antworten auf die Frage nach einer besseren Zukunft.
Zum Motto der Lese gibt es eine Ausstellung mit eigens dazu entstandenen Bildern von Marcus Braun. Mit einer kleinen Serie minimalistischer Schwarz-Weiß Portraits, inspiriert von ikonischen Künstlerinnen-Photographien der 1920iger Jahre, nimmt er uns mit in die Gegenwart. Die Bilder präsentieren wir an allen Veranstaltungsorten.
Was wäre eine Lese ohne Wein? Zu jeder Lesung gibt es ein gutes Tröpfchen, das Freinsheimer Winzer exklusiv für uns ausgesucht haben.
Freitag, 15. Mai, 18 Uhr
Von-Busch-Hof
Eröffnung der Literarischen Lese
Einen flotten Einstieg in die 1920er Jahre serviert die Literaturgruppe der Grünstadter KulturWerkstatt: Lieder und Texte u.a. von Marlene Dietrich, Kurt Tucholsky, Irmgard Keun, Claire Waldoff und Friedrich Hollaender.Musik: Amrei Wipfler (E-Piano, Cello)
Eintritt frei
Freitag, 15. Mai, 19:30 Uhr
Von-Busch-Hof
Harald Jähner:
Höhenrausch
Lesung
Das kurze Leben zwischen den Kriegen
Harald Jähners Buch ist wie geschaffen zur Einstimmung in unser Thema. Spannend und faktenreich erzählt er über die 20er Jahre: „Ein Kaleidoskop der Alltagskultur“. Kapitel für Kapitel entsteht ein atmosphärisches Bild der Weimarer Republik. Der Autor „versteht es meisterhaft, die tragischen, schrecklichen, komischen und aufbauenden Geschichten derer zu erzählen, die dabei waren“ (The Times). „Schicksale in der bitteren inflationären Zeit, in der auf dem Vulkan getanzt wurde“, (Klaus Bittermann, taz). Dass vieles sehr aktuell anmutet, gibt Stoff zum Nachdenken – die Antworten im 21. Jahrhundert werden hoffentlich ganz andere sein.
Eintritt 15 € erm. 12 €
Samstag, 16. Mai, 15 Uhr
Seconds Concept Culture, Bahnhofstr. 13a
Ausstellung zum diesjährigen Motto
Vernissage
Die VG Freinsheim präsentiert Bilder aus der Kunstsammlung Dr. Heinrich Weiler. Wir haben wieder Werke ausgesucht, die zum Motto der Literarischen Lese passen u.a. von Dill, Matisse, Rouault, Schmidt-Rottluff. Gerd Hauser führt in das Thema ein und betrachtet ausgewählte Bilder im Kontext der 20er Jahre.
Eintritt frei
Näheres zur Sammlung Weiler
Seit 1997 besitzt die VG Freinsheim eine Kunstsammlung des verstorbenen Frankenthaler Rechtsanwalts Dr. Heinrich Weiler, Werke der klassischen Moderne und zeitgenössische Kunst. Der Sammler pflegte Kontakte zu Künstlern wie der Amerikanerin Helen Frankenthaler aber auch zu Galeristen wie Heinz Berggruen in Berlin. Im Rahmen der Literarischen Lese präsentiert die Verbandsgemeinde Freinsheim passend zum Motto eine Auswahl von Bildern.
Samstag 16. Mai, 15 – 17 Uhr
Retzerhaus, Remise
Einführung zur Schreibwerkstatt
Sonntag, 17. Mai, 15 – 17 Uhr
Retzerhaus, Remise
Schreibwerkstatt mit Rabea Edel
»Wir können sehen, wie eine Tasse vom Tisch fällt und in Scherben geht, aber wir werden niemals sehen, wie sich eine Tasse zusammenfügt und auf den Tisch zurückspringt«, schreibt Stephen Hawking. Diese Schreibwerkstatt versteht sich als Einladung, genau das zu tun: Die Tasse zurückspringen zu lassen auf den Tisch, sie zu Geschichten, Gedichten, Texten umzuformen. Die Scherben (im übertragenen Sinne) neu zusammenzusetzen und etwas zu erzählen, das immer schon erzählt werden wollte. Der Schwerpunkt wird dabei auf dem Anfang liegen – dem »Was wäre, wenn…«. Teilnehmer*innen werden gebeten, einen Gegenstand oder ein Bild mitzubringen, mit dem sie eine persönliche Verbindung haben.
Teilnahmegebühr 110 €
Samstag, 16. Mai, 19 Uhr
Rabea Edel: Portrait meiner Mutter mit Geistern
Multimediale Lesung
Von-Busch-Hof
Die Autorin beschreibt die Arbeit an ihrem Roman als Reise in die eigene Familiengeschichte, jedoch sei es keine autobiografische Erzählung. In der multimedialen Lesung gibt sie Einblicke in die Recherche, zeigt Bilder, erzählt Persönliches und Zeitgeschichtliches. Rabea Edel zeichnet ein einfühlsames Portrait ihrer Mutter und erzählt ein ganzes Jahrhundert. Die Geister aus der Vergangenheit, bereits im Titel beschworen, werden lebendig: Eindrückliche Bilder für das Unausgesprochene und Verdrängte in den Lebensgeschichten der Frauen. Ein Buch von der Kraft der Liebe und der Rückeroberung der eigenen Geschichte durch die Sprache. Es baut Brücken zwischen Generationen und regt zum Nachdenken an über das von den Eltern Ererbte und über das, was wir selbst überliefern oder verschweigen.
Eintritt 15 € erm. 12 €
Sonntag 17. Mai, 19 Uhr
Von-Busch-Hof
Miku Sophie Kühmel: Hannah
Lesung
Der Roman erzählt die Liebesgeschichte zwischen der Dadaistin Hannah Höch und der Schriftstellerin Til Brugmann. Es sind die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts, als die beiden sich begegnen. Behutsam und poetisch „federleicht hingetupft“, setzt Miku Sophie Kühmel das Bild ihrer Beziehung zusammen, ohne das sich anbahnende Grauen der Zwischenkriegszeit auszublenden. Wie in einer Collage fügt die Autorin Gefundenes zueinander: Privates, Politisches und Künstlerisches, Zitate, Gedichte, Briefe, Listen, eigene Wortschöpfungen. Rezensenten nennen das Buch „ein großes literarisches Geschenk an Hannah Höch“. Für die Erfinderin der Fotocollage hat Miku Sophie Kühmel eine sprachlich und optisch wunderbar entsprechende Form gefunden.
Eintritt 15 € erm. 12 €
Dienstag, 19. Mai, 18 Uhr
Von-Busch-Hof
Kulinarischer Auftakt
Küchenmeister Volker Gilcher serviert im Restaurant Von-Busch-Hof vor dem Film saisonale Spezialitäten.
Verbindliche Tischreservierung 06353 7705 oder Email: mail@von-busch-hof.de
Dienstag, 19. Mai, 20 Uhr
Von-Busch-Hof
Film: Lotte am Bauhaus
Regie: Gregor Schnitzler, mit Alicia von Rittberg, Noah Saavedra, Jörg Hartmann, Deutschland 2018, 105 Min.
„Ein klug reduziertes Erzählkonzept: eine Frau, die die Gesellschaft mitgestalten will“. Weimar 1921, das Bauhaus unter der Leitung von Walter Gropius, Lotte, eine junge Frau, die dort einen Studienplatz bekommt. Anfangs unbekümmert, forsch und begeisterungsfähig, nicht weniger kreativ als die männlichen Studenten, versucht sie, gegen alle Widerstände, Autonomie, Liebe, Mutterschaft und Beruf unter einen Hut zu bringen. Selbstbewusst, couragiert, stolz und kämpferisch geht sie ihren Weg, auch als das Bauhaus immer stärker unter politischen Druck gerät und Walter Gropius entscheidet, mit dem Bauhaus nach Dessau zu ziehen.
Karten zum Film an der Abendkasse
Eintritt 12 € erm. 9 €
in Kooperation mit KRN – Kultur Rhein-Neckar e.V.
Montag 25. Mai, 14 Uhr
Treffpunkt Stadtbücherei
Poetische Weinbergwanderung
mit Lesung auf dem Hahnenplatz
Hasan Özdemir rezitiert auf dem Weg durch die Weinberge aus seinem neuen Lyrikband „Fragmentarische Unruhe“ Palatinisches, Anatolisches, Ligurisches, Klassisches und Aphoristisches.
Auf dem Hahnenplatz sorgt H.D. Reibold wie gewohnt für Bewirtung und Sitzgelegenheiten im Grünen. Zwei Stipendiatinnen des Künstlerhauses Edenkoben zeigen ihre neuesten Arbeiten: Julia Pfeifer präsentiert einen Auszug aus ihrem aktuellen Romanprojekt „Das Wetter im Zimmer“. Lea Streisand liest aus „Berlinerisch – Watt denn, icke?“ und aus ihren aktuellen Hörkolumnen bei radioeins (rbb) über das Leben als Berlinerin in der Pfalz.
Eintritt 15 € erm. 12 €
Miittwoch 27. Mai, 19 Uhr
Von-Busch-Hof
Geschichten von Freinsheim: „Die Welt meines Dorfes
Moderation Matthias Weber und Nathalie Krauß
Viele Erinnerungen an „die Welt meines Dorfes“ sind mit dem Hahnenfest verknüpft, ehemals der kulturelle Höhepunkt im gesellschaftlichen Leben Freinsheims. Werner Grallath hat Fotos und Filmaufnahmen aufgearbeitet, der älteste Film stammt aus dem Jahr 1925. Angeregt von diesen Zeitdokumenten wollen wir Anekdoten aus vergangenen Jahrzehnten lebendig werden lassen. Das Publikum ist wie immer eingeladen, eigene Geschichten und Erlebnisse beizusteuern. Was ist passiert bei den Umzügen und auf dem Hahnenplatz? Wir freuen uns auf die Erzählungen über Veränderungen und Traditionen, über Unterschiede und Gemeinsamkeiten verschiedener Generationen.
Eintritt frei
Freitag 29. Mai, 19 Uhr
Von-Busch-Hof
Susanne Goga: Berlinkrimis um Kommissar Leo Wechsler
Lesung
Susanne Gogas Krimis zeichnen ein Panorama vom Berlin der Weimarer Republik. „Mich interessieren auch immer politische Aspekte, dass 1933 kein abrupter Bruch war, sondern der Endpunkt einer langen Entwicklung weg von der Demokratie“, betont die Autorin. Leo Wechsler ermittelt in den unterschiedlichsten Milieus und die Lebensläufe der Figuren liefern Bilder einer Zeit im Aufbruch, ein Berlin auch abseits der Klischees von den „Goldenen 20ern“ – mit allen damit verbundenen Widersprüchen. Die Autorin liest Texte aus ihren Romanen und erzählt über Kultur, Frauenemanzipation, Berlin als Pressestadt und queeren Ort, über Nachtleben und Mode – und über mögliche Parallelen zur Gegenwart.
Eintritt 15 € erm. 12 €
Samstag, 30. Mai, 19 Uhr
Von-Busch-Hof
Volker Weidermann: Wenn ich eine
Wolke wäre.
Mascha Kaléko und die Reise ihres Lebens, Lesung
Siebzehn Jahre nachdem Mascha Kaléko in letzter Minute vor den Nazis geflohen war, reist sie nach Deutschland, im Gepäck eine bange Hoffnung auf Zukunft. Das politische Klima der 50er Jahre, die Verdrängung der Vergangenheit, das Schweigen – und dass sie bei alldem euphorisch gefeiert wird: Das erzeugt eine tiefe innere Zerrissenheit. Sie schwankt zwischen Entsetzen und Hoffnung, Glück und Angst. Volker Weidermann erzählt mit großem Einfühlungsvermögen und macht mit sorgsam ausgewählten Briefen und Gedichten Mascha Kaléko als Dichterin und Mensch hautnah erlebbar. „Ein wunderbares Buch, das eine Frau auferstehen lässt, die unsere Gegenwart dringend brauchen könnte.“ (Wolfgang Popp, ORF)
Eintritt 15 €, erm. 12 €
















