ELSE LASKER-SCHÜLER 1869

Sie verstand sich als große deutsch-jüdische Dichterin und zu Recht. Daran konnten Spott, Armut, Verfolgung und Exil nichts ändern. Mit ihren Gedichten, Prosatexten, phantastischen Textcollagen/Romanen, Stücken, Lesungen und performativen Auftritten gehörte sie nie wirklich zu einer der literarischen Strömungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, aber immer zur Avantgarde, in der es Frauen besonders schwer haben, weil sie schnell in den Ruf der Exzentrik und Exaltierheit gelangen und nicht ernst genommen werden. Das geschah ihr, die in Texten und in der Öffentlichkeit als Prinz Jussuf von Theben auftrat, in ganz besonderem Maße. Doch dank dichterischer Kraft und persönlicher Stärke gelang ihr der Durchbruch zur Anerkennung ihrer Bedeutung.

Else Lasker Schüler war überaus produktiv, sie schrieb nicht nur die Gedichte, für die sie heute vor allem bekannt ist, sondern auch viele Essays und Künstlerportraits, vier Theaterstücke, Romane und Erzählungen. Sie überarbeitete und verwob vieles, einschließlich der Bilder, die sie zeichnete, ausstellte, verkaufte und verschenkte.

Ihre letzte Gedichtsammlung Mein blaues Klavier erschien 1943 in Jerusalem. Sie widmete sie »Meinen unvergeßlichen Freunden und Freundinnen in den Städten Deutschlands – und denen, die wie ich vertrieben und zerstreut. In Treue!«. Trotz allem hatte sie ihren Traum von einer deutsch-jüdischen Versöhnung nicht aufgegeben.

Sie heiratete zweimal, 1894 den Arzt Berthold Lasker, mit dem sie nach Berlin zog, wo sie Anschluss an Lebensreform- und Künstlerkreise fand und sich bald von ihrem Mann trennte. 1899 gebar sie ihren einzigen Sohn Paul – der Vater blieb ein Geheimnis –, der bis zu seinem Tod mit 28 Jahren durch Tuberkulose ihr innig geliebtes Sorgenkind war. Nach der Scheidung 1903 heiratete sie den um zehn Jahre jüngeren Georg Levin, den sie, wie so viele andere, die sie kannte und liebte, umbenannte, in Herwarth Walden. Sie war aber nicht auf ihn angewiesen und brachte sich und ihren Sohn nach der zweiten Scheidung 1911 als unabhängige Schriftstellerin und Zeichnerin, oft mehr schlecht als recht, durch Vorkrieg, Krieg und die Weimarer Republik, war dabei aber stets äußerst generös Bedürftigeren gegenüber.

In der Weimarer Republik fand sie breite Anerkennung, eine zehnbändige Werkausgabe erschien, ihr Theaterstück Die Wupper im Deutschen Theater wurde aufgeführt und gipfelte in der Verleihung des Kleistpreises. Sie gewann auch eine größere, junge Fangemeinde. Doch der zunehmende Antisemitismus machte ihr, die stolz sagte »Ich bin Jude. Gott sei Dank« immer mehr zu schaffen.

1933 floh sie in die Schweiz, war immer mehr auf Unterstützung angewiesen und bekam keine Arbeitserlaubnis. Sie reiste wiederholt nach Palästina. Schließlich verbot ihr die Schweizer Fremdenpolizei die Wiedereinreise, und sie starb krank, voll Heimweh und einsam in Jerusalem. Ganz einsam war sie allerdings nie, da sie immer wieder Freunde hatte, alte und neue, die sich um sie kümmerten, wie auch sie nie aufhörte zu versuchen, Anderen zu helfen.

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