Mascha Kaleko 1907 – 1975

Nach ihren frühen Erfolgen mit Gedichten wurde Mascha Kaléko von den Nazis zur Flucht und der Aufgabe ihrer Karriere gezwungen. Das Gefühl, Außenseiterin zu sein, kannte sie seit ihrer Kindheit, seit ihre Familie aus dem armen Galizien nach Deutschland gekommen war. Aber sie passte sich schnell an, beherrschte den Berliner Dialekt bald perfekt – wie ihre ersten Gedichte zeigen.

Ab dem 16. Lebensjahr arbeitete sie als Sekretärin und verarbeitete ihre Erlebnisse in Gedichten, die erst in Zeitungen erschienen und später bei Rowohlt unter den Titeln „Das lyrische Stenogrammheft“ und „Das kleine Lesebuch für Große“.

1928 Heirat mit dem Philologen Saul Aron Kaléko. Ende der Zwanziger Jahre steht Mascha in Kontakt mit der künstlerischen Avantgarde Berlins, die sich im „Romanischen Café“ trifft u. a. Else Lasker-Schüler, Erich Kästner, Kurt Tucholsky, 

Nach der Scheidung von Saul Kaléko 1937 heiratet sie den Musikwissenschaftler und Dirigenten Chemjo Vinaver, und der gemeinsame Sohn Evjatar wird geboren.

Kalékos Songs wurden von ihr selbst und Chansonsängerinnen wie Claire Waldoff und Rosa Valetti im Radio und in Cabarets vorgetragen. Nach ihrem Verbot durch die Nazis wurden sie abgeschrieben und heimlich verbreitet.

1938 emigriert die Familie nach New York; es bereitet Mascha zwar große Freude, ihren Sohn heranwachsen zu sehen, aber sie kommt nicht zum Schreiben, und Chemjo schafft es nicht, in der Musikwelt Fuß zu fassen. Mascha verdient Geld mit Werbetexten und macht die Öffentlichkeitsarbeit für den Chor ihres Mannes. In „Verse für Zeitgenossen“ verarbeitet Kaléko ihre Exilerfahrungen in eindringlichen satirischen Gedichten. Ihr Comeback hatte 1956 mit dem Wiederabdruck des „Lyrischen Stenogrammhefts“ eingesetzt; nach zwei Wochen stand es auf der Bestsellerliste, und Kaléko machte erfolgreiche Lesereisen durch Europa.

1960 zog Kaléko wegen der Arbeit ihres Mannes mit nach Jerusalem, aber sie wurde dort nie richtig heimisch. Obwohl sie in den 1960er und frühen 1970er Jahren weiter veröffentlichte, war das Comeback nur kurz; wieder geriet sie in Vergessenheit. 1968 starb plötzlich ihr Sohn, der in den USA ein erfolgreicher Dramatiker und Regisseur geworden war. Nach Chemjos Tod 1973 verstärkte sich Maschas Isolation immer mehr. Sie starb 1975 während einer Reise durch Europa.

Quelle: https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/mascha-kaleko/