Zum Thema

Das Motto der Literarischen Lese Freinsheim 2019 ist „Aufbrechen! Ankommen!“

Die Veranstaltungen – besonders das Projekt der Schreibwerkstatt – werden diese Begriffe in Variationen zur Sprache bringen. Zehn Tage lang werden Stimmen von Autorinnen und Autoren zu hören sein, die auf je eigene Weise das Thema in den Blick nehmen.

Aufbrechen ist zukunftsgerichtet und wird meist mit der Hoffnung auf einen Neuanfang verbunden, – ein Frühlingsthema. Nicht von ungefähr gibt es daher auch politische Begriffsbilder wie „Pariser Mai“ oder „Prager Frühling“. Aufbrechen beinhaltet aber ebenso ein Zerbrechen von Hüllen. Aufbrechen ist Weggehen und auch Verlust; es kann erzwungen sein – Flucht vor Krieg, Verfolgung und Armut. Aufbrechen beinhaltet Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die gelingen wie scheitern kann.

Ankommen ist ein langwieriger Prozess, der immer auch mit Irritationen verbunden ist. Gefühle des Andersseins gehören dazu. Die Konfrontation mit diesem Anderen kann zugleich erfreulich und befremdlich sein. Jedenfalls benötigt Ankommen, wenn es gelingen soll, Bereitschaft zum Dialog und zur Veränderung – von Seiten derer, die ankommen und derer, die schon da waren. Es braucht förderliche Bedingungen, Bewegungs- und Begegnungsräume und vor allem Zeitgeduld.

Aufbrechen! Ankommen! Die beiden Begriffe sind zurzeit in einen gesellschaftlichen Diskurs eingebettet, der polarisierend wirkt. Wer sich mit den Anforderungen des Zusammenlebens überfordert fühlt, schützt sich durch Abschottung gegenüber neuen Erfahrungen. Konsequenz einer nicht gelungenen Annäherung sind dann Konflikte und Traumatisierungen, die in gewalttätige Auseinandersetzungen münden können. Misslungenes Ankommen führt dazu, dass noch die Nachkommen in dritter und vierter Generation negative familiale Erfahrungen bearbeiten müssen.

Geschichten von Aufbrechen und Ankommen werden seit Jahrhunderten erzählt und müssen immer wieder neu erzählt werden. Das Freinsheimer Projekt will dazu einen Beitrag leisten.

  • In einer Schreibwerkstatt werden in mehreren Schreibstuben Autorinnen und Autoren zusammen mit Interessierten unter dem Motto „Aufbrechen“ Ankommen!“ unterschiedliche Zugänge zum Thema suchen: Sprechen und Zuhören, Schreiben und Szenisches…  Als Ergebnisse erwarten wir uns Geschichten und Impressionen vom Aufbrechen und Ankommen, vom Entheimaten und Beheimaten.
  • Das wird dann auch Teil des Bühnenprogramms beim Literaturfest im Retzerpark sein, ebenso wie die Präsentation der Ergebnisse eines Dichtwettbewerbs zum gleichen Thema, der im Vorfeld der Lese stattfindet.

Wie ist es möglich, das Zusammenleben in einer hochkomplexen Gesellschaft wie der unsrigen zu gestalten, sich Zuhause zu fühlen und eine lebenswerte Perspektive zu haben? Diese Frage bildet die Gemeinsamkeit zwischen unseren Veranstaltungen. Die Lese schöpft wie jedes Jahr aus dem reichen Schatz der Literatur.